Dr. Georg Kalinna: „Theologie muss sich bewähren“

Dr. Georg Kalinna ist seit März persönlicher theologischer Referent von Präses Dr. Thorsten Latzel. „Ich habe im Vikariat gelernt, wie wichtig es ist, Pluralität ernst zu nehmen, Vielfalt stehen zu lassen. Das gilt für die Vielfalt unterschiedlicher Lebenswelten, Wertvorstellungen, aber auch für die vielen Formen, in denen man den Glauben leben kann“, sagt er. Das Interview:

Sie kommen gebürtig aus Bonn und haben in Bonn, Göttingen und Berlin Theologie und Rechtswissenschaften studiert. Ihr Vikariat haben Sie in Köln-Klettenberg absolviert. Wie fühlt es sich an, wieder in Köln zu sein?

Georg Kalinna: Köln fühlt sich für einen Bonner ohnehin direkt wie halbe Heimat an (lacht). Ich war ja schon im Vikariat in Köln und freue mich sehr wieder hier zu sein, ich mag die Mentalität und die Menschen. Meine Frau und ich wohnen seit September 2021 in Kalk. Davor habe ich in der Südstadt gewohnt. Es ist spannend die verschiedenen Seiten von Köln kennenzulernen.

Sie haben in mehreren Städten studiert – wie kam es dazu?

Georg Kalinna: Ich habe in Bonn angefangen zu studieren – das war praktisch und nah (lacht). Danach habe ich in Göttingen weiterstudiert, da ich gerne in einer Unistadt studieren wollte. Ich habe dann noch Rechtswissenschaften dazu genommen und das Theologiestudium abgeschlossen. Und dann hat es mich mit Jura nach Berlin verschlagen.

Theologie und Rechtswissenschaft, ist das eher gegensätzlich oder gibt es auch Überschneidungen?

Georg Kalinna: Für mich sind die Studiengänge keine Gegensätze. Ich würde eher sagen, dass sie sich ergänzen. Beide Fächer fragen danach, wie wir als Menschen zusammen leben wollen. Und beide bemühen sich darum, Texte auszulegen, die sie für unser Zusammenleben für wichtig halten. Im Einzelnen haben sie natürlich andere Herangehensweisen. Das Theologiestudium ist stärker historisch orientiert; in Jura dagegen steht die Technik der Rechtsanwendung im Vordergrund. Hier geht es darum, Fälle zu lösen. Insofern habe ich Jura auch als praxisorientierter erlebt als viele meinen. Beiden Fächern konnte und kann ich viel abgewinnen.

Welchen Stellenwert hat Praxis für Sie?

Georg Kalinna: Theologie muss sich bewähren. Wenn ich am Grab stehe und die richtigen Worte finden muss; wenn ich Menschen taufe oder traue, reicht es nicht, zu sagen, was richtig ist. Es kommt darauf an, was hier und jetzt für mich, für die Situation und für diese Menschen richtig ist. Da kommt Theologie aus der Reflexionshöhe rein in die wirkliche Welt. Das fand ich sehr wichtig für mich, meine Theologie und meine eigene Religiosität. Ich habe im Vikariat gelernt, wie wichtig es ist, Pluralität ernst zu nehmen, Vielfalt stehen zu lassen. Das gilt für die Vielfalt unterschiedlicher Lebenswelten, Wertvorstellungen, aber auch für die vielen Formen, in denen man den Glauben leben kann.

Zwischen 2016 und 2019 haben Sie Ihr Vikariat in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Klettenberg absolviert und wurden 2019 als rheinischer Pfarrer ordiniert…

Georg Kalinna: Für mein Vikariat in Köln-Klettenberg bin sehr dankbar. Ich habe dort viele Menschen kennen gelernt, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Und ich habe dort viel gelernt. Neben meiner Tätigkeit im Landeskirchenamt darf ich in der Gemeinde Köln Brück-Merheim arbeiten. Dort mache ich Predigtdienste und bringe mich ein, wo ich kann. Ich habe Kontakt zur Gemeindebasis – das ist ein schöner Ausgleich.

Was bedeutet der Glaube für Sie persönlich?

Georg Kalinna: Glaube bedeutet für mich, in Verbindung zu stehen: in Verbindung mit mir, mit anderen, mit der Natur, mit etwas, was größer ist als ich selbst. Sich zuhause fühlen zu können in den Kontakten und in der Welt, in der ich lebe, das ist für mich Glaube. Ich bin ein Stadtkind und lebe nach wie vor gerne in der Stadt – aber ich merke, dass mir der Kontakt zur Natur wichtiger wird, je länger ich im Straßenlärm lebe.

Nach dem Abschluss des Ersten Theologischen Examens waren Sie von 2013 bis 2016 am Lehrstuhl für Systematische Theologie der Universität Göttingen tätig und wurde dort mit einer Arbeit über die politische Ethik des Protestantismus in der frühen Bundesrepublik promoviert. Was konnten Sie aus Ihrer Promotionszeit mitnehmen?

Georg Kalinna: Das war eine wichtige und schöne, bereichernde Zeit. Mir ist wichtig, den Kontakt zur akademischen Theologie nicht abbrechen zu lassen. Viele Fragen aus dieser Zeit begleiten mich weiterhin, darunter die: Was haben Theologie, Glaube und Kirche über Politik zu sagen?

Nach einer erneuten zweijährigen Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Georg-August-Universität Göttingen sind Sie seit März persönlicher theologischer Referent des neuen Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Thorsten Latzel. Was gefällt Ihnen hierbei besonders?

Georg Kalinna: Was ein:e persönliche:r Referent:in macht, hängt sehr von der Persönlichkeit und den Anforderungen der Leitungsperson ab. Ich würde für mich drei Schwerpunkte sehen: Organisation, Beratung und Vermittlung. Organisation, das ist die Steuerung von Prozessen und Abläufen. Ich bin an vielen strategischen Prozessen beteiligt, koordiniere Termine und bin an größeren Projekten mitbeteiligt. Ich berate den Präses und arbeite ihm inhaltlich zu.Vielleicht könnte man sagen: Ich versuche, die Pfade und Wege so auszubauen, dass der Karren darauf gut fahren kann. Ein großer Teil meiner Arbeit hat aber auch damit zu tun, dass man Entscheidungen vermitteln muss – den eigenen Mitarbeitenden im Haus und den Kirchenmitgliedern, für die wir die Arbeit machen. Insofern hat die Arbeit auch eine Art diplomatischen Anteil. Was mich besonders fasziniert, ist der politische Charakter kirchlicher Arbeit. Wir beschäftigen uns viel mit Fragen, wie man Mehrheiten organisiert, wie man Prozesse fördert, welche strategischen Entscheidungen langfristig die richtigen sind, an welche Stelle sie gehören, wie man mit Widerständen umgeht. Spannend finde ich aber auch die Frage, wie Theologie und Organisationsentwicklung zusammenpassen. Ich bin dabei nah an Entscheidungsprozessen bin gespannt, die Folgen zu zu sehen.

Hat die Pandemie das Ankommen beeinflusst?

Georg Kalinna: Ich hatte sehr viel Kontakt zu den Menschen über Telefon und Zoom. Im Augenblick bin ich zwei Mal die Woche vor Ort in Düsseldorf, ansonsten arbeite ich im Homeoffice. Mit fehlt die Begegnung – aber das Homeoffice bietet auch Vorteile.

Worauf freuen Sie sich?

Georg Kalinna: Ich freue mich, wenn die Projekte Früchte tragen, die der Präses anstößt und bei denen ich ihn unterstütze. Die Zusammenarbeit mit den Menschen ist erfüllend und ich freue mich auch darauf, weiter viel in ganz unterschiedlichen Bereichen zu lernen und Erfahrungen zu machen.

Woraus ziehen Sie Ihre Energie?

Georg Kalinna: Unter anderem aus dem Sport. Morgens mache ich Yoga und Meditation. Ich fahre Trekkingrad und gehe gerne mit meiner Frau wandern. Ich ziehe aber auch aus der Gemeindearbeit Energie. Vor kurzem hatten wir einen Gesprächskreis, wo wir sehr gut ins Gespräch gekommen sind und uns gut ausgetauscht haben. Insofern kann man vielleicht sagen: Der Austausch mit Menschen gibt mir Energie.

Text: APK
Foto(s): Kalinna/APK

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Sonntag, 20.15 Uhr: Der Prime-Time-Gottesdienst läuft

Der neue „Prime-Time-Gottesdienst“ der Evangelischen Kirchengemeinde Bickendorf findet alle zwei Wochen sonntags um 20.15 Uhr statt und soll dem Tatort Konkurrenz machen. Das Format richtet sich vor allem an 20- bis 35-Jährige. Ein Gespräch mit Pfarrer Nico Ballmann:

Sonntags um 20.15 Uhr einen Gottesdienst anzubieten – wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Nico Ballmann: Wir haben in der Gemeinde relativ früh aufgrund der Corona-Pandemie Digital-Gottesdienste angeboten. Wir sprechen mit den digitalen Gottesdiensten andere Menschen als mit den analogen Gottesdiensten an. Dazu kommt: Sonntags kommen insgesamt etwa 80 Menschen in die Kirche zu den Gottesdiensten, bei den digitalen Gottesdiensten haben sich 70 bis 100 Menschen zugeschaltet und 200 bis 300 Menschen haben die Gottesdienste im Anschluss on demand angeschaut. Es schalten sich bei den Digital-Gottesdiensten Menschen zu, die sonst nicht in die Kirche gehen, das haben Umfragen ergeben. Das digitale Feld wollen wir – auch nach Corona – noch weiter ausbauen. Dafür haben wir verschiedene Konzepte erarbeitet, u.a. für Social Media.

Wie unterscheiden sich digitale und analoge Gottesdienste?

Nico Ballmann: Wir haben bisher versucht, analoge in digitale Gottesdienste zu transformieren. Einige Teile sind natürlich rausgeflogen und es ist dadurch zu einer Verschlankung gekommen. Die Menschen wünschen sich digital eher eine kurzweilige Aufmachung. Ein weiteres Ziel ist eine Fokussierung auf Milieusensibilität. Mit analogen Gottesdiensten sprechen wir nur ein bis zwei Milieus an – die bürgerliche und konservative Mitte und die ältere Klientel, die mit Gottesdiensten aufgewachsen ist, auch viele 60+-Menschen. Wenn wir nun digitale Gottesdienste anbieten möchten: Dann lasst uns doch noch einmal von ganz von vorne denken. Als erstes haben wir die Zielgruppe festgelegt – für wen machen wir das? Die Hauptzielgruppe ist 20 bis 35 Jahre alt. Für die Gottesdienst-Aufnahme sind wir dabei, ein eigenes Studio einzurichten, das auf diese Zielgruppe hin gestaltet wird – von der Musik bis hin zu Themen. Ob das funktioniert – keine Ahnung. Es ist ein Probelauf, wir wollen das gerne ein halbes Jahr lang ausprobieren. Die Menschen aus der Gemeinde können sich auch beteiligen und Themen vorschlagen. Wir freuen uns, wenn es klappt! Man weiß nie, floppt das, oder wird das toll. Ich rufe ja immer dazu auf, Sachen einfach einmal auszuprobieren.

Wie kann man sich dazu schalten?

Nico Ballmann: Auf unserer Internetseite kann man einfach auf einen Link klicken und ist dabei – und man kann den Gottesdienst dann auch nachträglich anschauen.

Sie möchten Gäste aus dem Veedel einladen und mit ihnen gemeinsam über Glaubensthemen sprechen. Welche Themen schweben Ihnen vor?

Nico Ballmann: Online-Gottesdienste sind für die Predigerinnen und Prediger ein sehr großer Aufwand. Von daher wollen wir einen Content-Plan mit Themen aus der Gemeinde gestalten. Wir haben ein Predigt-Team, und wir haben auch Prädikanten und Prädikantinnen, die über die Themen sprechen können. Wir wollen lebensnahe Themen behandeln, die relevant sind für die Menschen. Zum Beispiel könnte man jemanden aus der JVA einladen, der über Schuldfragen spricht. Dadurch, dass schon sehr früh feststeht, was passieren wird, kann man sich auch besser und länger vorbereiten.

Weitere Informationen und Kontakt:

www.gemeinde-bickendorf.de

Text: APK
Foto(s): Nico Ballmann/APK

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Jüdisches Kultur-Festival „Ssukkat Schalom“ in der Kölner Kartause

Die jüdische liberale Gemeinde Köln „Gescher laMassoret“ in Zusammenarbeit mit der Melanchthon-Akademie und der Kartäuserkirche am Wochenende auf dem Gelände der Kartause in der Kölner Südstadt das Kultur-Festival „Ssukkat Schalom“. In der Woche des jüdischen Laubhüttenfestes und im Rahmen des Jubiläums „1700 Jahre Judentum in Deutschland“ haben die Veranstalter ein großes Zelt als LAUBHÜTTE im Garten der Akademie am Kartäuserwall aufgebaut.

Die zweitägige Feier „Ssukkat-Shalom“ wird einen vielfältigen Blick auf die jüdische Kultur und Kunst präsentieren. Jüdischer Musik, Performance und Literatur, mit jüdischem Film, Theater und Humor werden die Realität der heutigen jüdischen Lebenswelt reflektieren.

Programm:

Samstag 25.09.2021

18:00 Uhr Eröffnung mit Martin Bock (Melanchthon Akademie), Rabbinerin Natalia Verzhbovska (Gescher LaMassoret), Efrat Gal-Ed (Köln)

18.30 Uhr ZWISCHENTÖNE – EIN GESPRÄCHSKONZERT mit Bavat Marom (Gesang) und Eyal Bat (Klavier)

20.00 Uhr IM GESPRÄCH RES.O.NANT mit Mischa Kuball, Professor für Kunst im öffentlichen Raum KHM Köln und Dr. Gregor H. Lersch Leiter Ausstellungen und Kurator des Jüdischen Museums Berlin

21.15 Uhr DIE GOLDBERG-BEDINGUNG, Dokumentar Film von Kerstin Stutterheim 2017

23.00 Uhr SHARON BRAUNER & KARSTEN TROYKE, Lieder in jiddischer Sprache (Ort: Kartäuserkirche)

01.00 Uhr SEIN ODER NICHT SEIN, Film von Ernst Lubitsch 1942 (Ort: Kartäuserkirche)

Sonntag 26.09.2021

11.00 Uhr DAS JIDDISCHE WORT WARTET AUF DICH, TREU UND STUMM – MODERNE JIDDISCHE GEDICHTE mit Claudia Brinker und Efrat Gal-Ed

12.30 Uhr “YINGL-TSINGL-KHVAT”, eine poetische Aufführung für Kinder und Erwachsene.

13.30 Uhr AMNON SEELIG SINGT WERKE VON EMANUEL KIRSCHNER (Ort: Kartäuserkirche)

15.00 Uhr JÜDISCHER HUMOR, eine Veranstaltung mit alten und jungen Mitgliedern von Gescher LaMassoret

16.00 Uhr SIMKHAT HANEFESH: EINE REISE DURCH ASCHKENAS. DIE FAHRTEN DES ABRAHAM LEVIE, 1719-1723, Jiddische Lieder und jüdische Instrumentalmusik aus Renaissance und Barock (Ort: Kartäuserkirche)

18.00 Uhr ABSCHLUSS UND ABSCHIED

Der Eintritt für beide Tage kostet 15€, ermäßigt 10€. Weitere Informationen, Anmeldung und Tickets unter www.ssukkat-shalom.de . Die Veranstaltung findet auf dem Gelände am Kartäuserwalls 24b in Köln und in der Kartäuserkirche in der Kartäusergasse 7 statt. Es gilt für die Teilnahme die 3-G Regel (vollständig Geimpfte, Genesene und Getestete).

Text: MAK/APK
Foto(s): MAK

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Kirche2go fragt: Welcher Bibelvers ärgert dich?

„Welcher Bibelvers ärgert dich?“ Dieser Frage widmet sich Diakon Tobias Heinz in dieser Folge von Kirche2go. „Jede und Jeder kennt Bibelstellen, die richtig aufregen und man denkt ,Das geht gar nicht‘.“ Für ihn ist das ein Wort Jesu: „Jesus sagt, wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht. Und ich denke mir: ,So, was hat denn jetzt Religion mit Erniedrigung zu tun?’“ Letztendlich kommt er zu einem erstaunlichen Schluss, der etwas mit wahrer Begegnung zu tun hat:

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Der gesamte Text zum Nachlesen:

Jede und Jeder kennt Bibelstellen, die richtig aufregen und man denkt „Das geht gar nicht“. Für mich ist das ein Wort Jesu. Jesus sagt, wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht. Und ich denke mir: „So, was hat denn jetzt Religion mit Erniedrigung zu tun?“ Also, ein guter Gottesdienst ist zum Beispiel so, dass du zu 5 cm größer raus gehst als du rein gekommen bist.

Irgendwann bin ich draufgekommen, dass es so etwas geben muss wie den Fahrstuhl Gottes. Das hört sich jetzt komisch an, ist aber so. Und ich stelle mir das so vor: Zu demjenigen, der sich immer größer macht als andere und andere klein hält, zu dem sagt Gott: „Komme ein bisschen runter.“ Und zu dem andern, der sich nichts zutraut und sich immer klein macht, zu dem sagt Gott: „Richte dich mal auf, komm ein bisschen hoch.“ Und wenn der eine runter kommt und der andere hoch, dann begegnen sich beide auf Augenhöhe und nur so ist wahre Begegnung möglich.

Text: APK
Foto(s): APK

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Ausstellung zum „Hoffnungsschrank“ der Religionslehrerin Marie Veit: „Verliere niemals die Hoffnung“

Im August wäre die engagierte Kölner Theologin Dr. Marie Veit 100 Jahre alt geworden. Von 1972 bis 1989 bekleidete die gebürtige Marburgerin eine Professur für Didaktik der Religionswissenschaften an der Universität Gießen. Davor unterrichtete die 2004 in Köln verstorbene Veit 25 Jahre Evangelische Religion am Hildegardis-Lyzeum für Mädchen/ Hildegard-von-Bingen-Gymnasium. Ebendort haben Schüler und Schülerinnen nun über die ehemalige Religionspädagogin ihrer Lehranstalt gearbeitet – und die Ausstellung „Hoffnungsschrank“  realisiert. Dafür griffen sie eine von Veits besonderen Ideen auf.

Wie kam es dazu? Dr. Gottfried Orth, bis 2019 Professor für Evangelische Theologie und Religionspädagogik, hat in diesem Jahr eine Biographie über die bemerkenswerte, gleichwohl selbst in der Fachwelt vernachlässigte Theologin vorgelegt. Orth kontaktierte Dr. Martin Bock, Leiter der Kölner Melanchthon-Akademie, zwecks eines gemeinsamen Projekts über Veit. Bock wiederum bezog in Person von Schulreferent Thomas vom Scheidt das Evangelische Schulreferat mit ein.

„Zum 100. Geburtstag von Marie Veit müssen wir was machen“, waren die drei sich einig. So konzipierte man unter anderem einen Spaziergang zu authentischen oder symbolischen Orten in Veits Leben und Wirken in Köln. Überdies stieß Thomas vom Scheidts Initiative für ein Schüler*innen-Projekt zu Veit bei den drei Lehrerinnen für Evangelische Religion am Hildegard-von-Bingen-Gymnasium auf offene Ohren.

Nicht nur die Religionspädagoginnen Sigrun Brock (unterrichtet zudem Kunst), Julia Gofferjé (zudem Spanisch, Englisch) und Kristina Heß (zudem Deutsch) waren angetan von der Idee. Die Schüler und Schülerinnen offenbar auch. Jahrgangsübergreifend befassten sie sich in den ersten zwei Wochen nach den Sommerferien im Religionsunterricht mit der Person Marie Veit und ihrem Hoffnungsmöbel. Dieses ist dank Zeitzeuginnen, insbesondere durch das Gedicht „Das tägliche Brot der Ermutigung“ ihrer berühmten Schülerin Dorothee Sölle überliefert.

„Wir ehren eine ehemals an dieser Schule unterrichtende Kollegin“, sprach Brock zur Ausstellungseröffnung. Marie Veit habe sich überlegt, wie sie den Schülerinnen in der bedrückenden Zeit nach dem Krieg Hoffnung geben, Mut machen und sie stärken könne. So habe sie den Hoffnungsschrank eingeführt. In ihm seien schöne Nachrichten gesammelt worden. Ein solcher Schrank sei „genau das, was wir jetzt auch brauchen angesichts der Pandemie, der Flutkatastrophe“ und anderen schrecklichen Geschehnissen in der Welt. „Es ist das erste kleine Fest, das wir seit langem haben“, freute sich Brock im Gespräch. Durchgeführt habe man das Projekt „überwiegend im Präsenzunterricht“, betonte sie. Aber auch in Quarantäne befindliche Schüler und Schülerinnen hätten dazu beigetragen.

„Kinder sind die Zukunft“

Unter den zahlreichen einfallsreichen Arbeiten auf den sechs Stellwänden im Foyer der Schulaula finden sich immer wieder Gedanken und Assoziationen der Schüler und Schülerinnen zum Thema, prägnante Hoffnungssätze und kurze Mutmachtexte. Wir lesen biblische Hoffnungs-Texte und Presseartikeln entnommene „Schlagzeilen“: „Alle für einen“, „Kinder sind die Zukunft“, „Zurück zu alten Freiheiten“, „Jeden Tag geschehen Wunder“, „Verliere niemals die Hoffnung“. Auch zahlreiche ermutigende Fotografien wurden Printmedien entnommen. Und mindestens so viele bunte Motive haben die Teilnehmenden selbst gezeichnet und gemalt. Der Begriff Hoffnung ist in viele Sprachen übersetzt. Ein 15-teiliges interaktives Hoffnungspuzzle mit Begriffen wie Glück, Familie und Liebe, Zukunft, Freunde und Leuchten fordert auf, es immer wieder neu zusammenzusetzen. „Gute Nachrichten aus aller Welt“ verbreiten die Schöpfer*innen einer symbolisch grün gestalteten Weltkarte. Sie hält interessante Informationen zu einzelnen Ländern bereit. So darf man staunen, dass in den Niederlanden der weltweit längste Solar-Radweg viele Haushalte mit nachhaltigem Strom versorgt. Und dass in Russland Frauen „350 neue ´Männer-Berufe´ ausüben“ dürfen. Wer möchte, darf sich aus einem Umschlag mit Witzen bedienen. „Witze machen glücklich“, begründen Kaitlyn und Heydi (7. Jahrgang) ihr pfiffiges Angebot.

„Wir sind sehr beeindruckt, was ihr hier auf die Beine gestellt habt, kreativ, kraftvoll und bunt. Marie Veit wäre sicher sehr erfreut und stolz auf euch“, begrüßte im weiteren Verlauf Thomas vom Scheidt Schüler*innen in der Aula zum Gespräch mit dem Veit-Biographen Gottfried Orth. Veit sei eine Lehrerin der Hoffnung gewesen, mit vielen Verdiensten um ihre Schule und Schülerinnen. Mit der heutigen Fragestunde wolle man eine Tradition Veits fortführen. Bevor die Angesprochenen zu Wort kamen, erklärte Orth, dass ihn beim Buchprojekt auch gereizt habe, dass diese große Theologin in Vergessenheit geraten und wiederzuentdecken sei. „Es gibt praktisch keine Literatur über sie.“

Als er seine Idee theologischen Verlagen angeboten habe, hätten diese mit dem abschätzigen Schlagwort „Ladenhüter“ abgewinkt. Dann sei er beim Institut für Theologie und Politik (ITP) in Münster gelandet. Mit seinem Verlag Edition ITP-Kompass ziele es auf die Veröffentlichung befreiungstheologischer Forschungen. „Sie seien groß geworden mit Veit, haben Mitarbeitende gesagt – und wir machen das Buch.“ Aber es kam noch besser. Die Münsteraner verlegten nicht nur Orths ersten werk-biographischen Band, sondern auch den zweiten, der alle Texte Veits von 1972 bis 2000 umfasst.

Ja, von Veit könnten nicht nur Religionspädagog*innen sicher viel lernen, erwiderte der Autor auf eine entsprechende Frage. Sie habe in einer anderen Zeit unterrichtet, gab er zu bedenken. Damals sei es etwas Besonderes gewesen, wenn Schülerinnen bei Problemen zu ihr nach Hause hätten kommen können, erinnerte Orth. Der enge Kontakt zu ihnen habe sich mit Veits Einstellung gedeckt, jede einzelne Schülerin so ernst zu ernst zu nehmen wie sie jeden Erwachsenen ernst genommen habe. Von den Lehrer*innen habe Veit gefordert, dass insgesamt die Lernbedingungen für die Schülerinnen verbessert würden. „Das gehörte für Veit zum Job dazu.“

Bibelbezogenes Konzept vom Religionsunterricht

Veit habe ein bibelbezogenes Konzept vom Religionsunterricht verfolgt, informierte Orth. Den damals gängigen problemorientierten Religionsunterricht habe sie für ergänzungsbedürftig gehalten. Dieser sei zwar eine tolle Sache, habe sie gesagt, aber wir müssten schwerpunktmäßig das unterrichten, was in keinem anderen Fach gemacht werde, nämlich auch von der Bibel und Luther erzählen. Mit der Bibel läge uns ein tolles Buch vor. Mit auch widersprüchlichen Erzählungen, Gedichten aus dem Leben. Dabei habe Veit das weitergeben wollen, was sie selbst im Christentum, was sie bereits seit ihrer Schulzeit aus dem Neuen Testament erfahren habe. Darin habe sie viele Verheißungen und einen Zuversichts-Trost gefunden, der sie „Mut zum eigenen Leben fassen ließ“, so Orth. „Ihre Erfahrungen mit biblischen Texten wollte sie weitergeben, auf das die Schülerinnen mutige, eigenständige, selbstbewusste junge Frauen werden.“

Veit habe individuell Zuwendung geleistet und zugleich die gesellschaftlichen Bedingungen im Blick gehabt. „Ich treffe meine Option für die Probleme der Masse“, habe sie für sich entschieden. „Veit stellte sich auf die Seite derer, die arm und ausgeschlossen sind, die Leid und Gewalt erfahren haben und setzte sich für deren soziale Sicherheit ein.“ An ihrer Schule habe Veit die Schülermitverwaltung (SMV) mitbegründet und vermutlich auch die später Vertrauenslehrer genannte Funktion.

„Ich kann nicht beten, wenn ich mich nicht für Benachteiligte einsetze“

Als Mitinitiatorin des Politischen Nachgebets an der Antoniterkirche habe Veit ebenso in die Stadt hineingewirkt. Das dort erstmals 1968 veranstaltete Nachtgebet habe politische Rückfragen an die Bibel gestellt. Armut und andere brennende gesellschaftliche Herausforderungen seien im Nachtgebet in Beziehung zur Bibel gesetzt worden. Man habe überlegt, was für die Menschen heute entscheidend sei. „Gebet auf der einen, politisches Engagement auf der anderen Seite.“ Veit habe erklärt, dass man nicht beten könne, wenn man nicht wisse, was in der Welt passiere. „Ich kann nicht beten, wenn ich mich nicht für Benachteiligte einsetze.“ Sie habe einen direkten Zusammenhang gesehen und gefordert: „Seid aktive Christen, dann könnt ihr auch beten.“

„Sie haben uns Marie Veit noch viel lebendiger vor Augen gestellt“, bedankte sich Kristina Heß abschließend bei Orth. Vom Scheidt freute sich über „den anderen Religionsunterricht“. Er ermutigte, die Hoffnungsbotschaft von Veit weiter in die Welt zu tragen. „Bleibt in der guten Tradition verhaftet, Hoffnungsträgerinnen und Hoffnungsträger zu sein.“

Text: Engelbert Broich/APK
Foto(s): Engelbert Broich/APK

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Unsere Wochentipps: Kindermusical „König David“, ökumenische Beatmesse und „Fest der Religionen und Kulturen“

Bei unseren Wochentipps ist diesmal für jeden etwas dabei – von alt bis jung: vom Kindermusical „König David“ über den Konfi- und Jugendtag „Open World live“ bis hin zu mehreren Vorträgen wie „Die Situation von Kölner Jüdinnen im 19. Jahrhundert“ und „Jehuda Amichai, ein israelischer Lyriker aus Deutschland“. Dann gibt es da noch das Gebet der Religionen am Weltfriedenstag, das Laubhüttenfest, ein Informationsfest an der Waisenhauskirche in Köln-Sülz und einen ökumenischen Gottesdienst zum Gedenkjahr „1700 Jahre Judentum in Deutschland“. Der chilenische Singer-Songwriter Rodrigo Tobar erzählt Geschichten aus seiner Heimat und Betin Güneş mit dem Turkish Chamber Orchestra & Choir geben ein Live-Konzert in der Immanuel-Kirche Stammheim sowie „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy wird in der Kölner Philharmonie laufen. Das „Fest der Religionen und Kulturen“ rund um die Gnadenkirche findet statt und mit der ökumenischen Beatmesse „Die Wahl meines Lebens“ wird jenseits von Parteien über Wahlmöglichkeiten im Leben gesprochen. Unsere Tipps in der Übersicht:

21.09.2021, 18:00 Uhr
Evangelisch Leben in Köln und Region
Gebet der Religionen am Weltfriedenstag
„15 Jahre Kölner Friedensverpflichtung“: Zu Gebet, Gesprächen und Begegnung am Weltfriedenstag, Dienstag, 21. September, 18 Uhr, lädt der Kölner Rat der Religionen ein. Im Garten der Religionen, Stolzestraße 1a, gedenken Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften der Kölner Friedensverpflichtung, die vor 15 Jahren unterschrieben wurde. Darin heißt es: „Als jüdische, christliche und muslimische Frauen und Männer erklären wir, dass Gewalt und Terror um Gottes Willen nicht sein dürfen und dem authentischen Geist unserer Religionen widersprechen“. Die Synagogen Gemeinde, das Katholische Stadtdekanat, der Katholikenausschuss, der Evangelische Kirchenverband Köln und Region, die Türkisch-islamische Union, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen sowie der damalige Oberbürgermeister gehörten damals zu den Unterzeichnenden. Die Veranstaltung findet unter freiem Himmel statt. Es gilt die dann aktuelle Coronaschutz-Verordnung.

22.09.2021, 19:00 Uhr
Melanchthon-Akademie
Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, 50678 Köln
„Jehuda Amichai, ein israelischer Lyriker aus Deutschland“
Vortrag von Professor Hans D. Amadé Esperer in der Melanchthon-Akademie: In seinem Vortrag „Jehuda Amichai, ein israelischer Lyriker aus Deutschland“ am Mittwoch, 22. September, 19 bis 21 Uhr, bringt Professor Hans D. Amadé Esperer in der Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, einige Gedichte zu Gehör und zeigt daran zentrale Merkmale von Amichais Werk auf. Jehuda Amichai (1924-2000) wuchs in der orthodoxen deutsch-jüdischen Kultur Unterfrankens auf und musste 1936 emigrieren. In Israel wurde er zu einem hebräischen Lyriker von Weltrang. Seine Dichtung ist geprägt von Rainer Maria Rilke und der angelsächsischen Moderne und hat vielfältige Bezüge zu den heiligen Texten des Judentums. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Gedenkjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Köln und in Deutschland“ statt. Der Eintritt kostet 5 Euro. Eine Anmeldung unter Telefon 0221/931803-0 oder per E-Mail anmeldung@melanchthon-akademie.de ist erforderlich.

Anmeldung erforderlich, Tel: 0221 931 803 0, anmeldung@melanchthon-akademie.de
www.melanchthon-akademie.de

23.09.2021, 19:30 Uhr
Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, 50678 Köln
Die Situation von Kölner Jüdinnen im 19. Jahrhundert
Vortrag von Irene Franken in der Melanchthon-Akademie: Historikerin Irene Franken spricht in ihrem Vortrag am Donnerstag, 23. September, 19.30 Uhr, in der Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, über die Situation von Kölner Jüdinnen im 19. Jahrhundert. Am Beispiel von Flora Tietz und Therese Oppenheim erläutert sie die rechtliche Situation sowie die Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten jüdischer Mädchen und Frauen zu dieser Zeit in Köln. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung per E-Mail an anmeldung@melanchthon-akademie.de ist erforderlich.

Anmeldung erforderlich, Tel: 0221 931 803 0, anmeldung@melanchthon-akademie.de
www.melanchthon-akademie.de

24.09.2021, 15:00 Uhr
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Klettenberg
„Gut älter werden in Sülz und Klettenberg“
Informationsfest an der Waisenhauskirche in Köln-Sülz: Die wichtigsten lokalen Einrichtungen und Unterstützungsangebote in Sülz und Klettenberg für Menschen im Alter ab 65 Jahren stellen sich bei einem Informationsfest am Freitag, 24. September, 15 bis 19 Uhr, an der Waisenhauskirche Sülz, Elisabeth-von-Mumm-Platz 1, vor. Unter dem Motto „Gut älter werden in Sülz und Klettenberg“ laden Nachbarschaftshilfen, Sporteinrichtungen, Wohnprojekte, Digitalisierungsinitiativen, Freizeitanbieter, die Polizei sowie die evangelischen und die katholischen Kirchengemeinden in Sülz und Klettenberg zu Vorträgen, Aktionen und Informationsständen ein. Außerdem gibt es ein unterhaltsames und musikalisches Programm mit Jürgen Becker, Didi Jünemann, der A-capella-Band „8 Carat“, den „Johannesbläsern“ und einem Jazz-Trio.

24.09.2021, 17:00 Uhr
Evangelisch Leben in Köln und Region
„Verwurzelt im Judentum! – Leben wir Christen das?“
Ökumenischer Gottesdienst zum Gedenkjahr „1700 Jahre Judentum in Deutschland“: In einem ökumenischen Gottesdienst am Freitag, 24. September, 17 Uhr, im Kölner Dom, Domkloster 4, stellen die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Köln das biblische Zeugnis zum Verhältnis von Judentum und Christentum in den Mittelpunkt. Der Dom ist dabei Zeuge der langen und immer wieder schuldbeladenen Geschichte des Umgangs der christlichen Mehrheit mit den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Pater Elias H. Füllenbach Ö.P., Theologe und Vorstandsmitglied des Deutschen Koordinierungsrats der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, greift in seiner Predigt den Lernweg auf, auf dem sich Christinnen und Christen in diesem Zusammenhang befinden. Der Gottesdienst findet im Rahmen der Dreikönigswallfahrt 2021 statt. Aktuelle Corona-Hinweise finden sich unter www.dreikoenige-koeln.de.

24.09.2021, 19:00 Uhr
Evangelische Gemeinde Köln
Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 2-4, 50677 Köln-Südstadt
Chilenischer Künstler mit Musik zwischen Tradition und Innovation
Konzert in der Lutherkirche in der Südstadt: Im Rahmen des Global Music Club Cologne 2021 erzählt der chilenische Singer-Songwriter Rodrigo Tobar am Freitag, 24. September, 19 Uhr, in der Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 2-4, Geschichten aus seiner Heimat. Musikalisch eingebettet sind sie in innovative Soundcollagen und traditionelle Klangwelten. Der Eintritt kostet im Vorverkauf 15 Euro und an der Abendkasse 20 Euro. Tickets gibt es im Internet unter https://lutherkirche.ticket.io.

www.lutherkirche-suedstadt.de

24.09.2021, 19:00 Uhr
Evangelische Brückenschlag-Gemeinde Köln-Flittard/Stammheim
Immanuel-Kirche, Bonhoefferstr. 8, 51061 Köln
Betin Güneş mit dem Turkish Chamber Orchestra & Choir
Live-Konzert in der Immanuel-Kirche Stammheim: Nach langer Konzertpause freut sich sie Evangelische Brückenschlag-Gemeinde Köln-Flittard/Stammheim am Freitag, 24. September, 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) zu einem Live-Konzert in die Immanuel-Kirche, Bonhoefferstraße 10, einzuladen. Betin Güneş mit dem Turkish Chamber Orchestra & Choir ist zu Gast. Wer teilnehmen möchte muss vorher über die Internetseite ein kostenloses Ticket buchen und am Veranstaltungstag einen gültigen „3-G-Nachweis“ mitbringen.

www.brueckenschlag-gemeinde.de

25.09.2021, 10:30 Uhr
Evangelisch Leben in Köln und Region
„Open World live“
Konfi- und Jugendtag im Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch: Am Samstag, 25. September, 10.30 Uhr bis 15.30 Uhr, findet wieder ein Konfi- und Jugendtag im Evangelischen Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinich statt, diesmal outdoor im Dünnwalder Wildpark. Die Spielidee ist folgende: Die Bibel hat einen Riss bekommen und alle „Bösewichte“ sind entkommen. Diese gilt es wieder einzufangen und so die Erde zu retten. Analog zu „Open World“-Computerspielen erstellen die Teilnehmenden im Alter von 12 bis 15 Jahren während des Spiels ihre persönliche Spielfigur und lösen in Kleingruppen an den Spielstationen unterschiedliche Aufgaben zum Thema „Bewahren der Schöpfung“ an Beispielen von Nachhaltigkeit und Klimawandel. Die erwarteten etwa 160 Jugendlichen werden von etwa 40 haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden aus dem Kirchenkreis betreut. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 0221/278561-93 oder per E-Mail an ute.verch@ekir.de

25.09.2021, 18:00 Uhr
Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, 50678 Köln
Laubhüttenfest auf dem Gelände der Melanchthon-Akademie
Jüdisch Liberale Gemeinde lädt zu zahlreichen Veranstaltungen ein: Im Rahmen des jüdischen Laubhüttenfestes vom 21. bis 27. September schlägt die Jüdisch Liberale Gemeinde Köln „Gescher LaMassoret“ im Garten der Melanchthon-Akademie, des Evangelischen Jugendpfarramtes und der Evangelischen Familienbildungsstätte Köln ein großes Zelt als Laubhütte auf, um dort im Kontext des Jubiläums „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ das Kultur-Festival „Ssukkat Schalom“ zu feiern. Interessierte sind zu verschiedenen Veranstaltungen am Samstag 25. September, 18 bis 1 Uhr, und Sonntag, 26. September, 11 bis 18 Uhr, in die Laubhütte im Garten des Kartäuserwalls 24b und in die Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, eingeladen. Mit jüdischer Musik, Performance und Literatur, mit jüdischem Film, Theater und Humor möchte die Gemeinde in der Laubhütte einen möglichst vielfältigen Blick auf die jüdische Kultur und Kunst präsentiert. Weitere Informationen, Anmeldung und Tickets gibt es im Internet unter https://ssukkat-shalom.de.

www.melanchthon-akademie.de

26.09.2021, 11:00 Uhr
Evangelisch Leben in Köln und Region
„Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy
Chor- und Orchesterkonzert in der Kölner Philharmonie: Das Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy kommt am Sonntag, 26. September, 11 Uhr, in der Kölner Philharmonie, Bischofsgartenstraße 1, zur Aufführung. Das Oratorium für Soli, Chor und Orchester (op. 70) wird von der Kartäuserkantorei Köln und dem Philharmonischen Chor Bonn unter der Leitung von Paul Krämer sowie dem auf historische Aufführungspraxis spezialisierten Orchester „Concerto con Anima“ unter der Leitung von Ingeborg Scheerer aufgeführt. Die Solostimmen werden besetzt von Marie Heeschen (Sopran), Marianne Beate Kielland (Alt), Patrick Grahl (Tenor) sowie Daniel Ochoa (Bass). Der Eintritt kostet je nach Sitzplatzwahl zwischen 18 und 40 Euro, ermäßigt zwischen 13,50 und 30 Euro. Tickets sind per E-Mail an kartenbestellung@kartaeuserkantorei.de oder über KölnTicket erhältlich.

26.09.2021, 16:00 Uhr
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Bayenthal
Reformationskirche, Mehlemer Straße 29/Ecke Goethestraße, 50968 Köln
Kindermusical „König David“
Eltern-Kind-Konzert in der Reformationskirche: Am Sonntag, 26. September, 16 Uhr, gibt es nach langer Zeit wieder ein Eltern-Kind-Konzert in der Reformationskirche Bayenthal, Mehlemer Straße 29. Die Evangelischen Kinderchöre Brühl und Köln-Bayenthal führen das Kindermusical „König David“ von Thomas Riegler auf. Kinder im Alter von 2 bis 12 Jahren und ihre Eltern sind eingeladen zu etwa einer Stunde Musik, Schauspiel und Gesang. Das Musical führt die Zuschauerinnen und Zuschauer ins alte Israel vor etwa 3000 Jahren, wo einst ein kleiner Junge von der Weide gerufen wurde, der später ein großer König wurde und wo der Kampf zwischen David und Goliath stattfand. Es gelten die sogenannten 3G-Beschränkungen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Der Eintritt ist frei, um eine Spende zur Deckung der Kosten wird gebeten.

www.kirche-bayenthal.de

26.09.2021, 17:00 Uhr
Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach
Gnadenkirche, Hauptstraße 256, 51465 Bergisch Gladbach
„Fest der Religionen und Kulturen“ rund um die Gnadenkirche 
Konzert mit Cosmic Jam im „Quirl“: Am Sonntag, 26. September, 12 bis 19 Uhr, findet wieder rund um die Gnadenkirche das „Fest der Religionen und Kulturen“ statt. Ein Programmpunkt ist das Konzert mit „Cosmic Jam“, das um 17 Uhr im „Quirl“ an der Gnadenkirche, Hauptstraße 256, beginnt. Die neun Musiker der Band begeistern mit ihrer Funk-Musik. Der Eintritt ist frei.

www.quirl.de
26.09.2021, 11:00 Uhr
Evangelische Kirchengemeinde Köln-Klettenberg
Johanneskirche, Nonnenwerthstraße 78, 50937 Köln
Ökumenische Beatmesse „Die Wahl meines Lebens“
Jenseits von Parteien wird über Wahlmöglichkeiten im Leben gesprochen: Passend zur Bundestagswahl am Sonntag, 26. September, greift das Team der Beatmesse in der Johanneskirche Klettenberg, Nonnenwerthstraße 78, am selben Tag das Thema „Wahlmöglichkeiten im Leben“ in einem Gottesdienst auf, der um 11 Uhr beginnt. Mit dabei sind Willibert Pauels, Diakon und Kabarettist, Dominikaterpater Diethard Zils, Pfarrer Ivo Masanek und das Team der Beatmesse. Für die musikalische Unterhaltung sorgt wieder die Band Ruhama. Die Anzahl der Plätze in der Kirche sind begrenzt. Eine Anmeldung ist über die Webseite www.beatmesse.de möglich. Hier wird dieser besondere Gottesdienst auch im Livestream zu sehen sein.

www.beatmesse.de

Text: APK
Foto(s): A

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Kirchengemeinde Mauenheim-Weidenpesch feiert Grundsteinlegung

„Siehe, ich mache alles neu!“ – das Wort aus der Offenbarung (21,5) des Johannes ist Leitmotiv für den Neubau des Erlöserkirchenzentrums in der Derfflinger Straße in Köln-Weidenpesch. So verkündet es seit längerem auch das Transparent am Baugerüst. Im Rohbau herrschte zuletzt eine freudige, erwartungsvolle Stimmung. Nach und nach fanden sich über hundert Gäste zur Grundsteinlegung innerhalb eines Gottesdienstes ein. In Höhe des künftigen Altar-Standortes wurde die in Carrara-Marmor gearbeitete Grundsteinplatte präsentiert. Benachbart wartete die als Zeitkapsel dienende metallene Kassette darauf, mit Dokumenten befüllt zu werden.

„Platz im Veedel“

Punkt Zwölf hieß Pfarrer Markus Zimmermann die Gemeinde „herzlich willkommen in unserer neuen Kirche“. Es sehe hier zwar noch etwas ungemütlich aus, aber wir könnten schon ahnen, „wie schön diese Kirche, unser neues Erlöserkirchenzentrum werden wird“, so der Presbyteriumsvorsitzende der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Mauenheim-Weidenpesch. Das auf dem Grundstück der abgebrochenen Erlöserkirche errichtete neue Erlöser-Quartier wird unterschiedliche Nutzungszwecke miteinander verbinden: Kirche, Gemeinderäume, Kindertagesstätte und Wohnungen. Der Kirchplatz soll ein gemeinsamer „Platz im Veedel“ werden.

Gemeindepfarrer Zimmermann, der als Superintendent den Kirchenkreis Köln-Nord repräsentiert, begrüßte einige der Gottesdienst-Teilnehmer*innen besonders. Darunter aktuelle wie ehemalige Mitglieder des Presbyteriums. Mehr als 1,5 Jahrzehnte seien diese „an dem Thema dran, neu zu bauen“. Sie hätten quasi vor dem Grundstein den Grundstein, das Fundament gelegt. Zimmermann nannte auch die Mitglieder des Bauausschusses sowie Joel Harris vom Büro Harris + Kurrle Architekten in Stuttgart. Mit deren Sieg beim Architekturwettbewerb habe eine gute Zeit begonnen.

Bauvorhaben braucht Betreuung und Begleitung

„So ein Bauvorhaben braucht Betreuung und Begleitung“, richtete der Pfarrer seinen Willkommensgruß auch an Vertreter*innen der Projektsteuerung Schlünz in Bonn, der Antoniter Siedlungsgesellschaft mbH (ASG, Wohnungsbaugesellschaft im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region), der Landeskirche und der Gemeindeverwaltung. Ebenso an Vertreter*innen der beteiligten Firmen und Gewerke, der katholischen Schwestergemeinde, an Bezirksbürgermeisterin Dr. Diana Siebert sowie Nachbarn. Ausdrücklich dankte er diejenigen, „die durch Spenden beitragen, das der Kirchraum gemütlich und einladend wird“.

Direkte Nähe von Kita und Kirchraum

Mit Pfarrer Thorsten Sommerfeld begrüßte er den Vorstandsvorsitzenden des Evangelischen Kindertagesstättenverbandes Köln-Nord. Der Verband werde mit seiner Kita Spatzennest einen Großteil des Gebäudes belegen. Sommerfeld freute sich in seinem Grußwort über die direkte Nähe von Kita und Kirchraum. Wer von der einen in den anderen gelangen wolle, könne die Hausschuhe anlassen. „Gott, wir danken Dir, dass wir heute den Grundstein legen können“, betete Pfarrerin Christina Schlarp. Andere lasen aus Matthäus 7,24-25 (Haus auf Fels gründen) und 2 Korinther 6,16 („Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes“).

Mit dem hölzernen Modell für unsere „Hauskirche 3.0“ habe Joel Harris der Gemeinde eine Vision gegeben, erklärte Pfarrerin Susanne Zimmermann. Um diese Vision, übersetzt, die vollendete Erlöserkirche, vor unserem inneren Augen sehen zu können, veranschaulichte die Pfarrerin deren künftiges Erscheinungsbild mit einem Gang in die vier Himmelsrichtungen. „Im Osten wird der Morgenstern aufgehen.“ Das dortige Wandfenster stehe für den Neuanfang. Über uns befänden sich mit den Kinderräumen die schönsten Räume. An der Ostseite, die Kraft für den Neuanfang gebe, sei auch Platz für Fürbittenlichter. „Im Süden ist das Licht am allerhellsten, hier werden wir ein Fenster sehen, dass sprüht und funkelt“, erläuterte die Theologin. Dieses werde von der Künstlerin Gabriele Wilpers gestaltet. Darin eingearbeitet habe sie die von Herbert Schuffenhauer zum Schöpfungs-Thema entworfenen sieben Medaillon-Fenster des Vorgängerbaus. Durch das Fenster würden funkelnde Lichtstrahlen auf den Boden und die Wänden treffen. Ein alter Balken des Kreuzes der Philipp-Nikolai-Kirche werde die Osterkerze tragen.

Der Westen sei der Ort, wo der Tag sich neige, beschrieb die Pfarrerin. Dort gehe es um Abschied nehmen. „Auch wir haben Abschied genommen von zwei Kirchen, Kita und Gemeindehaus.“ Gleichzeitig heiße es dort, an ein Ziel zu gelangen. „Der Norden steht für die Ruhe der Nacht“, erklärte Susanne Zimmermann. „Wir wünschen uns, dass die Kirche ein Ort wird, wo man zur Ruhe finden, zu Atem kommen kann, wo uns auch neue Einsichten gelingen.“ Der „Rundgang“ schloss am künftigen Standort des Altars unter einer dann gefalteten Decke. „Hier wird Licht sein.“ Und der Altarort werde kein unbeschriebenes Blatt sein, sprach die Pfarrerin von einem Kraftort, an dem wir anknüpften an die Zeiten und Menschen vor uns.

„Glaube und Leben hängen eng zusammen“

Aufschlussreich verlief ebenfalls die Befüllung der Grundstein-Kassette. Denn die einlegenden Personen gingen kurz auch auf die jeweilige Symbolik der Zeitdokumente ein. Markus Zimmermann begann mit der Lutherbibel von 2017 in gedruckter und elektronischer Form. Als christliche, evangelische Gemeinde sei uns wichtig, dass der Glaube mit dem Leben zu tun habe, ließ er die Wochenendausgabe einer Kölner Tageszeitung folgen. Auf der Titelseite finden sich ein Foto der Anschläge in New York und Washington vor zwanzig Jahren und ein Beitrag über die Impfpflicht. „Glaube und Leben hängen eng zusammen“, betonte er. Wir müssten mitten im Leben wirken, Menschen dort abholen, wo sie in Not seien, so der Pfarrer. „Wir sind eine lebendige Gemeinde“, legte Schlarp zunächst den aktuellen Gemeindebrief hinein. Er gebe wieder, was wir machten und zeige wie wir miteinander im Glauben und auf vielen anderen Ebenen verbunden seien. Zudem ließ sie eine Corona-Maske folgen als ein Merkmal des Alltags in der Pandemie. Durch diese Maske seien wir verbunden mit nachfolgenden Generationen. Ihnen wünschten wir, dass sie sich dieser Herausforderung nicht stellen müssten.

Gutes Miteinander zwischen Kita, Träger und Gemeinde

Die Gemeinde gebe auch ihr letztes Pfarrhaus auf, in dem sie und ihr Mann Markus mit ihren drei Kindern lange gelebt hätten, so Susanne Zimmermann. „Das war nicht nur ein Pfarrhaus, sondern unser Zuhause“, sagte ihre Tochter Lea, bevor sie ein Foto des Gebäudes dem Behältnis übergab. „Wir wünschen uns ein gutes Miteinander zwischen Kita, Träger und Gemeinde“, legte Sommerfeld für den Kitaverband einen Brief hinein, in dem unter anderem die „Vielfalt unserer Kinder“ betont wird. Zwei Kinder der Kita Spatzennest folgten mit zwei „Glückssteinen“ und einer Rolle mit Fingerabrücken und Namen aller aktuellen „Spatzen-Kinder“. Mit ihren Gegenständen drückten die Mädchen und Jungen laut Leiterin Diana Jülicher ihre Hoffnung auf eine baldige Eröffnung der neuen Räume aus sowie den Wunsch, dass es ein Ort der Gemeinschaft werde.

Baukirchmeister Johanes Feyrer verlas den Text der Urkunde mit Angaben zum Bauprojekt, bevor er sie in die Kassette legte. Susanne Zimmermann ließ „andere wichtigen Gaben“ folgen. Etwa Fotos und einen Trümmerstein von der ersten Erlöserkirche, die Einladung zur Grundsteinlegung und das Liedblatt des Gottesdienstes. Schließlich legte Finanzkirchmeister Achim Willgeroth einen Satz Euro-Münzen mit hinein.

„Umgeben von Leben“

Joel Harris vom Büro Harris + Kurrle Architekten in Stuttgart erläuterte die symbolhafte geometrische Zeichnung auf der Grundsteinplatte. Sie sei quasi einen Lageplan, zeige wie das äußerst kompakte Gebäude von oben aussehe. „Um den quadratischen Glockenturm haben wir rechteckige Schalen gelegt. Wie Zwiebelringe, die das Gebäude zusammenhalten.“ Der Kirchraum sei von anderen Funktionen umgeben: „Umgeben von Leben.“ Damit zitierte er den für den Entwurf sinnbildlich stehenden Leitsatz. „Umgeben von Leben“ und mit „Strahlkraft nach außen“ – dies findet Harris „sehr wichtig“. Und es stelle schon etwas Neues dar. Der Architekt zeigte sich dankbar und begeistert über die Kraft und den Mut, den er seitens der Gemeinde gesehen habe, sich vorausschauend für dieses Neue zu entscheiden.

Zur eigentlichen Grundsteinlegung zogen in einer kleinen Prozession unter anderem Architekt, Baukirchmeister und Pfarrer zur Westwand des Rohbaus. Vorneweg trug Harris die Zeit-Kassette, die er auf halber Höhe einer Treppe in die vorgesehene Aussparung setzte. Der ihm folgende Feyrer verschloss die Öffnung mit dem schweren Grundsteindeckel und nacheinander klopften alle an diesem Akt Beteiligten unter dem Sprechen eines Bibelverses mit einem Hammer je dreimal auf die Platte. Den Schlusspunkt dieser feierlich-symbolischen Handlung setzte Markus Zimmermann. Oberhalb des Grundsteins soll zukünftig das Jerusalemfenster aus der Philipp Nicolai-Kirche stehen.

Auf den musikalisch vom Chor-Quartett, Querflötistin Ursula Birkholz und Kirchenmusiker Michael Burt musikalisch vielseitig gestalteten Gottesdienst folgte ein kleiner „Kölscher Empfang“.

„Der Rohbau ist fertig. Wesentliche Bestandteile des Innenausbaus wie Elektroleitungen, Heizungsanlage und Lüftungstechnik sind drin“, informierte Baukirchmeister Feyrer im Gespräch. Im nächsten Schritt sollen die Fenster eingebaut werden. „Wenn die erst mal drin sind“, sei der weitere Zeitplan berechenbar, so Feyrer. Dann dauere es noch circa vier bis sechs Monate, in denen unter anderem die Fassade ein Wärmeverbundsystem erhalte und verklinkert werde. „Wichtig ist, den Bau dicht zu haben, bevor der Winter kommt.“ Im Moment hänge alles vom Fenstereinbau ab. Im Frühjahr, spätestens an Ostern 2022, könne der erste Gottesdienst in der fertiggestellten Erlöserkirche gefeiert werden, so seine Hoffnung.

Text: Engelbert Broich/APK
Foto(s): Engelbert Broich/APK

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Diskussionsabend WiederSprechen: „Wieder anpacken – wie Corona das Ehrenamt verändert hat“

Ob Freiwillige Feuerwehr, diakonische Dienste, Tafeln oder Breitensport: unsere Gesellschaft lebt vom millionenfachen Engagement im Ehrenamt. Corona hat auch hier vieles ausgebremst. Manche Strukturen sind brüchig geworden. Ein „Weiter so“ wie vor der Pandemie reicht nicht aus. Dieser Herausforderung müssen sich Vereine, Initiativen und Stadtgesellschaft gemeinsam stellen. Das zupackende Handeln ungezählter Ehrenamtlicher in den Hochwassergebieten zeigt aber auch: Die Bereitschaft, sich zu engagieren, ist ungebrochen. „Wenn etwas unsere Gesellschaft lebenswert macht, ist es das Ehrenamt. Corona hat vieles besonders an die Oberfläche gebracht oder Probleme geschaffen“, sagt Moderator Arnd Henze in der Christuskirche Dellbrück. „Wo hat sich das Ehrenamt als besonders resilient erwiesen – aber wo hat es auch Brüche und Risse gegeben?“ Darum ging es bei dem Diskussionsabend „WiederSprechen“ Mitte September mit dem Thema „Wieder anpacken – wie Corona das Ehrenamt verändert hat“. Die Veranstaltungsreihe der Melanchton-Akademie will für die so unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen mit der Pandemie einen öffentlichen Raum schaffen – und diese Erfahrungen mit Verantwortlichen in der Stadtgesellschaft ins Gespräch bringen.

Vieles habe sich dauerhaft stark verändert

„Wir als Tafel haben in der Pandemie nie aufgehört zu arbeiten. Wir waren gestützt durch Ehrenamtler, die aus dem Berufsleben ausgeschieden waren. Diese sind uns zwar zu großen Teilen weggebrochen. Das war vielen zu gefährlich“, berichtet Karin Fürhaupter, Erste Vorsitzende der Tafel Köln e. V. „Auf der anderen Seite haben wir aber einen Ansturm von Helfern bekommen. Es haben sich unheimlich viele gemeldet, die gesagt haben, wir haben eingeschränktes Home-Office oder Kurzarbeit, wir haben momentan Zeit. Wir haben alle Verabredungen einhalten können. Nur die Lebensmittelausgabestellen, da haben 30 Prozent geschlossen und wir haben sie dann nach und nach wie hochgefahren und haben weitergearbeitet – nur mit einer anderen Altersstruktur.“ Vieles habe sich dauerhaft stark verändert, alle haben positiv dazu gelernt. „Wir haben gemerkt, dass es sich lohnt, jüngere Menschen einzubeziehen, auch wenn sie nach einer gewissen Zeit wieder ausscheiden. Diese Menschen sind sehr willkommen bei uns. Auch das sind Träger unserer Arbeit, die uns durchaus helfen können.“ Man müsse sie zwar einarbeiten, auch wenn sie schnell wieder weg sind, aber es ändere auch das Klima, wenn verschieden alte Menschen zusammen arbeiten. „Die jüngeren Menschen bringen auch frischen Wind mit rein.“ Sie wünscht sich, dass Menschen, die die Möglichkeit dazu haben, sich ehrenamtlich engagieren – sie seien eine Bereicherung für die Gesellschaft.

Auch Gabi Klein, Forum für Willkommenskultur, Kölner Freiwilligen Agentur e. V., sagt: „Wir haben unheimlich viele Menschen gehabt, die sich neu gemeldet haben. Viele haben gemerkt, was ihnen wirklich wichtig ist, und wollten sich sozial engagieren. Wir haben viel Zulauf gehabt, was uns sehr gefreut hat. Ein großer Bereich, in dem Ehrenamtler sich engagieren, ist die Begleitung von Flüchtenden zu Ämtern. Der Bereich ist größer geworden, weil der Zugang zu Ämtern auch erschwert wurde. Viele Ältere haben gesagt, dass sie Geld in der Pandemie gespart haben und haben dann dieses Geld sogar gespendet.“ Ein Manko für sie: „Wir haben viel Zoom-Erfahrungen machen können, aber irgendwann reicht es auch.“ Sie bestätigte die Erfahrungen von Karin Fürhaupter: „Viele jüngere Menschen engagieren sich, aber nur für einen kürzeren Zeitraum.“

Hohe Austrittszahlen

Die Pandemie hatte auch große Auswirkungen auf Sportvereine: „Vereine kommen da in Schwierigkeiten. Denn man muss sagen, dass bei vielen Menschen auch gerade am Anfang der Pandemie der Solidaritätsgedanke noch sehr stark vorhanden war, dass sie zwar die Sachen nicht nutzen konnten, aber trotzdem noch im Verein geblieben sind“, erzählt Peter Helmut Schaefer, Vorsitzender der Sportjugend Köln. „Aber danach sind die Austrittszahlen sehr stark angestiegen. Man kündigt ja immer zu einem bestimmten Zeitpunkt. Da ist immer eine Wellenbewegung.“ Was ihn freut: „Der Drang war und ist nach wie vor sehr groß, wieder einzutreten. Aber gerade für die kleineren und auch mittleren Vereine, da ist der Aufwand, Hygienekonzepte für Veranstaltungen in Hallen zu gestalten, sehr hoch. Größere Vereine können das einfacher stemmen.“

Viele Menschen hatten während der Pandemie sehr kreative Ideen, aber in manchen Bereichen reiche das nicht aus: „Wenn ich als Schwimmverein nicht ins Schwimmbad reinkomme, kann ich keinen Schwimmunterricht machen – das ist einfach so.“ Peter Helmut Schaefer sagt, dass man davon ausgehe, dass viele Fünf- bis 17-Jährige aus dem Sport raus seien und auch keine Motivation hätten, wieder rein zu gehen, „quasi eine verlorene Generation“: „Manche haben auch Angst, dass etwas passieren kann.“ Der Sport lebe trotz der vielen digitalen Angebote aber auch von der persönlichen Begegnung. Von daher wünsche er sich ein Stückweit, wieder zu dem Zustand der Zeit vor der Pandemie zurück zu kehren. Im Verein könne man Demokratie lernen – unter anderem deswegen seien Vereine so wichtig. Man müsse den Nachwuchs weiterhin für Verein begeistern, so sein Wunsch.

Text: APK
Foto(s): APK

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Seelsorge-Ausbildung „Lebenswege begleiten“: Neuer Kurs für Ehrenamtliche startet im März 2022

An Menschen, die in verschiedenen Arbeitsfeldern der Seelsorge andere Menschen begleiten möchten, richtet sich der zweistufige Fort- und Ausbildungskurs „Lebenswege begleiten“, der vom Evangelischen Kirchenverband Köln und Region ab März 2022 angeboten wird. In den einzelnen Kursteilen können die Teilnehmenden ihre kommunikative, ethische, personale und geistliche Kompetenz schulen und erweitern.

Der Basiskurs mit insgesamt 50 Unterrichtsstunden ist eine Fortbildung in Gesprächsführung, mit der die Ehrenamtlichen zum Beispiel im Besuchsdienst einer Kirchengemeinde mitarbeiten oder Bewohnerinnen und Bewohner eines Seniorenheimes begleiten können. Dieser Kurs ist einzeln buchbar. Zusammen mit dem Aufbaukurs (weitere 100 Unterrichtsstunden) qualifiziert die Ausbildung gemäß den Richtlinien der Evangelischen Kirche im Rheinland zur seelsorglichen Arbeit in den Bereichen Besuchsdienst, Altenheim-, Krankenhaus-, Gefängnis-, und Gehörlosenseelsorge. Ein Interview mit Pfarrerin Dagmar Schwirschke:

Welche Kursinhalte erwarten die Teilnehmenden?

Dagmar Schwirschke: Der Basiskurs kann als eigenständiger Kurs gebucht werden, von Menschen, die schon in der Gemeinde unterwegs sind – zum Beispiel im Altenheim – und die sich gerne in Gesprächsführung weiterbilden möchten. Diejenigen, die eine qualifizierte Seelsorgeausbildung machen, nehmen dann den Aufbaukurs dazu. Dieser baut auf dem Basiskurs auf, das heißt, der Basiskurs und der Aufbaukurs fließen thematisch ineinander über und die Aufbaukursmodule werden vertieft. Es gibt fünf Grundmodule. Ein Modul ist die kommunikative Kompetenz. Das bedeutet, dass die Teilnehmenden lernen, was Kommunikation ausmacht auf theoretischer Ebene, aber es gibt auch verschiedene Übungen zu dem Thema: Welche Mechanismen greifen in der Kommunikation? Beim Grundmodul ethische Kompetenz geht es um eigene Haltungen, Normen und Werte – und diese werden dann mit biblischen Grundhaltungen und Erfahrungen in Beziehung gebracht. In diesem Grundmodul werden auch psychologische Grundlagen besprochen und rechtliche Aspekte werden hier bedacht. Beim Modul „Personale Kompetenz“ richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Wahrnehmung der eigenen Person: Wer bin ich, wo komme ich her, welche Erfahrungen bringe ich aus meinem Leben mit und welche Bedeutung hat dies im Kontext seelsorglichen Miteinanders? Die geistliche Kompetenz ist das nächstes Modul, bei dem sich die Teilnehmenden mit dem eigenen Glauben und der eigenen Spiritualität auseinander setzen – auch mit Ritualen, mit Segenshandlungen, Gebeten und weiteren liturgischen Elementen oder Themen wie Tod, Sterben, Trauer, Schuld und Vergebung. Dann schließt sich die Feldkompetenz an, in dem Feld, in dem der Teilnehmende seinen Dienst tun will – wenn ich zum Beispiel im Krankenhaus arbeiten will, sollte ich wissen, welche Menschen dort arbeiten, wie ein Krankenhaus organisiert ist, worauf zu achten ist und wo sich meine Position in diesem Gefüge befindet. Das ist wichtig, um selbst gut arbeiten und für andere da sein zu können.

Wer kann sich bei der Ausbildung anmelden?

Dagmar Schwirschke: Die Ausbildung ist gedacht für Menschen, die evangelisch sind und die sich in einer der Gemeinden des Verbandes oder in einer Funktion dessen ehrenamtlich betätigen möchten. Vom Alter her sind wir sehr offen, wir haben Menschen, die noch keine 30 Jahre alt sind, und Menschen, die über 70 Jahre alt sind. Wir führen mit jedem Interessenten ein Bewerbungsgespräch, um jeden persönlich kennen zu lernen. Es gibt keine beruflichen Voraussetzungen. Wichtig ist, Interesse und Motivation für diese Arbeit mitzubringen – und eine gewisse psychische Stabilität. Während der Ausbildung werden die Teilnehmenden durch die Ausbildungsleitung begleitet und nach der Ausbildung finden regelmäßige Supervisionsangebote statt. Es gibt immer wieder Situationen, die für jeden von uns belastend sein können, und von daher ist es wichtig, im Austausch zu sein, begleitet zu werden und einen Ansprechpartner an der Seite zu wissen, um das Gefühl haben zu können, in seinem Dienst getragen zu sein.

Haben sich schon viele Menschen fürs nächste Jahr angemeldet?

Dagmar Schwirschke: Die Flyer mit allen Informationen über das Angebot liegen schon in den Gemeinden aus, und es haben sich auch schon einige Menschen gemeldet. Das Interesse ist nach wie vor sehr groß. In den Kursen sind meist so 12 bis 14 Teilnehmende. Wenn man sinnvoll arbeiten will, darf die Gruppe nicht zu groß sein. Wir machen die Erfahrung, dass die Ehrenamtlichen, die sich für unsere Kurse anmelden, eine große Offenheit für das mitbringen, was sie erwartet – verbunden mit einer unglaublichen Motivation. Mir macht das große Freude mit so hochmotivierten Menschen zu arbeiten und ich fühle mich immer wieder aufs Neue beschenkt. Für mich ist es einfach etwas ganz Besonderes, dass es Menschen gibt, die sich in diese Ausbildung begeben, um dann von ihrer Zeit und Kraft ohne Gegenleistung und ohne Erwartung etwas an andere Menschen abzugeben. Ich finde das nicht selbstverständlich und einen unglaublichen Schatz in unserer Kirche.

 

Mehr Informationen:

Die Teilnahme am Kurs ist kostenlos. Die Teilnehmenden verpflichten sich, nach der Ausbildung zwei Jahre ehrenamtlich in ihrem Seelsorgefeld mitzuarbeiten. Ort der Ausbildung ist die Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b. Bewerbungen können bis Mitte Januar 2022 per E-Mail an Pfarrerin Dagmar Schwirschke dagmar.schwirschke@ekir.de gerichtet werden.

www.ehrenamt.kirche-koeln.de

Text: APK
Foto(s): APK

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Präses in Flut-Orten: „Kirche und Diakonie bleiben an der Seite der Menschen“

„Das Wasser steht nicht nur immer noch in den Mauern und es braucht die Trockenanlagen, sondern es steckt auch noch tief in den Knochen von Menschen.“ Das sagt Dr. Thorsten Latzel am Ende einer dreitägigen Reise zu evangelischen Kirchengemeinden in den Überschwemmungsgebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Darum sei es wichtig, „dass wir an der Seite der Menschen dort bleiben“, sagt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Trier, Adenau, Bad Neuenahr, Sinzig, Erftstadt, Inden, Eschweiler, Bad Münstereifel, Wuppertal und Solingen – zehn Kirchengemeinden hat Latzel, der sich schon kurz nach der Flutnacht Mitte Juli an vielen Orten ein Bild von den Schäden gemacht hatte, in den vergangenen Tagen besucht. „Ich habe Menschen erleben können, die in beeindruckender Weise für andere dagewesen sind“, zieht der Präses ein Fazit seiner Tour: „Ich habe aber auch viel Leid gesehen. Ich habe Menschen getroffen, denen man abspürt, was sie erfahren haben.“ Er sei tief dankbar dafür, was die Kirchengemeinden leisteten.

Nachgehende Seelsorge und diakonische Hilfe

Heizung, also Wärme in Herbst und Winter, Seelsorge und Normalität sind Punkte, die die Menschen, mit denen Thorsten Latzel (50) an Kyll, Erft, Inde, Ahr und Wupper gesprochen hat, als Themen hatten. Die Betroffenen brauchen Hoffnung und Perspektive. „Wir werden dafür sorgen, dass es eine nachgehende Seelsorge gibt“, kündigte der Präses an. Kirche und Diakonie blieben gemeinsam im Schmerz bei den Menschen. Neben der Seelsorge bereiteten die Verantwortlichen derzeit auch Beratung und Hilfe vor Ort in den Regionen zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen vor. Das entsprechende Projekt werde zeitnah öffentlich vorgestellt.

Video-Zusammenfassung und ausführlicher Reisebericht

Einen ausführlichen Reisebericht gibt es hier zum Weiterlesen. Zum Anschauen und Anhören gibt es im Youtube-Kanal der Evangelischen Kirche im Rheinland ein Video von der Dreitagestour.

Zur Person: Präses Dr. Thorsten Latzel

Thorsten Latzel (50) ist seit 20. März Präses. Seit 2013 war er Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt. Im EKD-Kirchenamt war er für Studien- und Planungsfragen und das Projektbüro Reformprozess zuständig (2005 bis 2012). Zuvor arbeitete Latzel als Pfarrer in Erlensee-Langendiebach. Aufgewachsen in Bad Laasphe, studierte er Theologie in Marburg und Heidelberg. Dr. Latzel ist verheiratet und hat drei Kinder.

Text: Jens Peter Iven/APK
Foto(s): Jens Peter Iven/ekir.de/APK

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