Unsere Archivale für August: Faszination Apokalypse

In Zeiten globaler Krisen, von Klimakatastrophen bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen, erlebt die Frage nach dem Ende unserer Welt eine neue Dringlichkeit – sowohl gesellschaftlich als auch kulturell. Bereits 1992, im Schatten der Golfkriege, widmete sich die ökumenische Veranstaltungsreihe der Melanchthon-Akademie in Köln „Visionen vom Ende – Apokalypse ’92“ dieser uralten menschlichen Faszination: dem Untergang – und der Hoffnung auf einen Neuanfang.

Versionen vom Ende der Welt gibt es bereits seit scheinbar ewigen Zeiten. Die Bilder und Vorstellungen sind zahlreich und bieten tiefe Einblicke in die jeweilige Zeit, in der sie entstanden und entstehen. Sie sind teilweise Reaktionen auf historische Ereignisse wie Kriege und Naturkatastrophen. Diese Ereignisse führen den Menschen immer wieder seine eigene Sterblichkeit vor Augen. Berühren ihn ganz nah. Das Ausgeliefertsein an Mächte, die nicht unmittelbar gebändigt werden können, fasziniert und verängstigt zu gleich. Kreative thematisieren auf unterschiedliche Weise das Sterben der Menschheit bzw. den Untergang der (eigenen) bekannten Welt – sei es in der Kunst, Fotografie, Literatur oder Film.

Endzeiterzählungen in der Bibel

Auch die Bibel kennt einige Endzeiterzählungen. Die wohl bekannteste ist die Geschichte der Arche Noah, die auch künstlerisch divers verarbeitet wurde und wird. Gott ist unzufrieden mit seiner Schöpfung und möchte sie erneuern. Er beschließt eine Sintflut zu schicken, die alles Leben auslöschen soll. Nur eine Familie, Noahs Familie, soll überleben und die Basis für eine neue Beziehung zwischen Gott und der Schöpfung darstellen. Noah erhält den Auftrag eine Arche zu bauen und von jedem Lebewesen ein Paar mitzunehmen. Als alle an Board sind, verschließt Gott die Tür und lässt es viele Tage und Nächte regnen. Alle anderen Menschen und Lebewesen sterben. Nach einer gewissen Weile hört es auf zu regnen. Noah öffnet eine Luke und entsendet an verschiedenen Tagen eine Taube, um zu sehen, ob bereits genug Land vorhanden ist, damit sie aussteigen können. Noah tritt auch in eine Unterredung mit Gott ein, der erkennt, dass sein Handeln ein Fehler war. Gottes Hoffnung, die Menschen würden sich durch die Sintflut und Zerstörung ihrer bekannten Welt ändern, erfüllt sich nicht. Stattdessen beschließt er, sich selbst zu ändern und keine drakonischen Strafen mehr gegen seine Schöpfung zu schicken. Er entsendet als Zeichen seines neuen Bundes mit seiner Schöpfung einen Regenbogen.

Plakat zu „Visionen vom Ende – Apokalypse ’92“ zeigt starken Kontrast

Das Plakat der ökumenischen Veranstaltung „Visionen vom Ende – Apokalypse ’92“ zeigt den Kontrast zwischen Schwarz und Weiß. Der Einsatz von starken Farbkontrasten wie Weiß und Schwarz symbolisieren zum einen tiefe Dunkelheit, in der nichts existiert. Zum anderen geben sie jedoch auch einen Funken Hoffnung, eine Chance auf einen Neuanfang durch die Farbe Weiß, die für Reinheit und die Farbe des Lichts steht.  Die Sonne auf dem Plakat hat eine besondere Bedeutung: Es ist nicht klar, ob sie auf- oder untergeht. Dies unterstreicht wiederum die Aussage, dass dem Ende ein Anfang innewohnt. Die meisten Endzeiterzählungen sind nicht nur dramatische Geschichten vom Untergang des Lebens, sondern beinhalten meist das Überleben. Jemand überlebt, um vom Untergang zu berichten und Mahner für einen Neuanfang zu sein.

Veranstalter der Reihe „Visionen vom Ende“ waren die Melanchthon-Akademie und die Karl-Rahner-Akademie. Das Programm bestand aus verschiedenen Workshops, musikalischen Darbietungen, Diskussionen, filmischen Auseinandersetzungen, literarischen Beiträgen, Predigten und Vorträgen sowie Seminaren. Hintergrund der Veranstaltungsreihe waren die zwei aufeinanderfolgenden Golfkriege (Irak-Iran-Krieg 1980-1988; Irak-Kuwait-Krieg 1990-1991).

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Text: Stefanie Sternemann
Foto(s): Stefanie Sternemann

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