Trauerfeier für Körperspender: Die Gabe für die Wissenschaft würdigen
Normalerweise wird Menschen mit einer würdigen Bestattung eine letzte Ehre erwiesen. Aber was passiert, wenn der Leichnam nicht – sei es nun im Sarg oder in der Urne – in die Erde kommt? Was, wenn der oder die Verstorbene zu Lebzeiten entschieden hat, ihren Körper der Wissenschaft zu spenden? Wie kann dann eine Trauerfeier für diese Menschen aussehen?
Simon Schomäcker war bei einer solchen Zeremonie dabei: „Wir stehen heute hier, um uns bei Menschen zu bedanken, die mit ihrem Entschluss, Körperspender zu werden, etwas Außergewöhnliches geleistet haben.“
Dank und Musik in der Klinikkirche
Eine Gruppe Medizinstudentinnen steht am Altar der Kölner Klinikkirche St. Johannes der Täufer und hält abwechselnd eine Ansprache. Die Bankreihen sind bis auf den letzten Platz besetzt, dahinter stehen weitere Menschen – vor allem Angehörige von Verstorbenen, die ihren Körper nach dem Tod der Wissenschaft gespendet haben.
In ihrer Rede betonen die angehenden Ärztinnen, wie bedeutsam diese außergewöhnlichen Leihgaben für ihren Präparierkurs waren: „Was mich durch den Kurs begleitet hat, ist eine unermessliche Faszination für den menschlichen Körper, seine Zusammenhänge und auch die Variationen, die jeder Einzelne von uns mit sich trägt. Das lässt sich in einem Lehrbuch nicht annähernd erfassen.“
Jedes Jahr veranstaltet das Zentrum für Anatomie der Universität zu Köln eine solche Gedenkfeier. Neben Wortbeiträgen haben einzelne Studierende auch passende Musikstücke vorbereitet. Im vergangenen Semester standen 90 Körperspenden zur Verfügung.
Zwischen Forschung und Abschiedsschmerz
Laut Prof. Dr. Martin Scaal, Direktor des Zentrums für Anatomie, ist diese Zahl seit über zehn Jahren relativ konstant geblieben. Auch die Motivation der Körperspenderinnen und Körperspender bleibt ähnlich: „Sie möchten einfach, wenn man schon sterben muss, dass man damit noch etwas Gutes tun kann.“
Für die medizinische Ausbildung ist diese Entscheidung von unschätzbarem Wert – für die Angehörigen jedoch oft eine emotionale Belastung. Die Körper verbleiben bis zu zwei Jahre am Institut, eine Trauerfeier direkt nach dem Tod entfällt. Pfarrerin Caroline Schnabel begleitet viele dieser Prozesse seelsorglich: „Bei klassischen Bestattungen hören wir oft: Es ist gut, wenn dieser Tag geschafft ist – der Tag der Trauerfeier. Da werden Worte gesagt, da kommt man als Familie zusammen. Danach beginnt ein neuer Abschnitt der Trauer. Und genau das fehlt hier erst einmal. Diese Zeit ist schwer zu durchleben.“
Die Trauerfeier ist daher anders aufgebaut. Es geht nicht um einzelne Lebensgeschichten, sondern um das Gemeinsame: die Verbindung zu den Verstorbenen. Die Angehörigen kennen Persönliches – die Studierenden entdecken Zeichen gelebten Lebens am Körper selbst: ein Herzschrittmacher, eine künstliche Hüfte. Auch das lässt Rückschlüsse zu.
Eine stille Ehre – und ein bleibender Dank
Unter musikalischer Begleitung verlesen die Studierenden alle Namen der Spenderinnen und Spender und entzünden Kerzen am Altar. In Rheinland-Pfalz etwa werden die Leichname nach der Kremation meist anonym bestattet – auf Wunsch auch auf einem Friedhof der Wahl.
Manche Fakultäten, wie in Bielefeld, richten eigens dafür Gräberfelder ein. Martina Hollmann von der dortigen Friedhofsverwaltung beschreibt eine neue 800 m² große Rasenfläche mit Bäumen und zentralem Gedenkplatz. Namen sollen auf Bodenplatten verewigt werden, auch bei anonymen Beisetzungen.
In Köln jedoch bleiben die Namen unsichtbar. Prof. Scaal verweist auf eine steinerne Stele vor der Klinikkirche: „Da steht drauf: Mortui vivos docent – die Toten lehren die Lebenden. Und darunter einfach ein Dankeswort an die anonymen Körperspenderinnen und Körperspender.“
Dieser Gedanke zieht sich durch die ganze Feier – bis hin zum Abschlusswort der Studierenden: „Ihre Eltern, Partner, Freunde, Familie leben nicht nur in Ihnen – sondern vielleicht auch ein kleines bisschen in uns weiter. Sie haben uns sehr, sehr viel gelehrt – was uns in unserem Beruf als Ärztinnen und Ärzte, als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und auch als Menschen begleiten und prägen wird.“
Ein Podcast von Deutschlandfunkkultur.de zur besonderen Trauerfeier
Text: APK
Foto(s): Engelbert Broich
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