Einer, der Hoffnung weckte – Der Evangelische Kirchenkreis Köln-Mitte trauert um Eckart Schubert
Der Evangelische Kirchenkreis Köln-Mitte trauert um Pfarrer i.R. Eckart Schubert. Der ehemalige Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte ist am 5. August im Alter von 88 Jahren verstorben. Für viele war er ein Mensch, der Hoffnung wecken konnte. Immer wieder setzte er sich für Ausgegrenzte, sozial Benachteiligte und Trostsuchende ein. In intensiven seelsorgerischen Gesprächen hörte er den Einzelnen sehr genau zu. Daraus erwuchs ein gutes Gespür für das, was dran war. „Eckart Schubert habe ich als junge Pfarrerin als Kollegen in der Gemeinde Köln-Klettenberg kennengelernt. Und auch als Superintendent blieb er in der Praxis der Gemeindearbeit mit Frauenkreis, Basar für die Behindertenarbeit, Ökumeneprojekten und Engagement für Menschen in Not aktiv“, erinnert sich Superintendentin Susanne Beuth.
Geboren wurde Eckart Schubert 1937 in Bonn, aufgewachsen ist er am Niederrhein. Zunächst studierte er Altphilologie, danach Evangelische Theologie in Bonn, Mainz und Zürich. Sein Vikariat absolvierte er in Koblenz. Dort arbeitete er auch ein Jahr lang in der Telefonseelsorge. Nach seinem Zweiten Theologischen Examen im Jahr 1968 erhielt er in Essen den Sonderauftrag, neue Formen der Konfirmandenarbeit in der „Arbeitsstelle für den Konfirmandenunterricht“ zu entwickeln. In dieser neu geschaffenen Stelle war es sein Ziel, Pfarrerinnen und Pfarrer so zu beraten und zu schulen, dass sie besser auf die Bedürfnisse und die Situation von Kindern und Jugendlichen eingehen konnten.
Am 29. Oktober 1972 wurde Eckart Schubert als Gemeindepfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Klettenberg durch Superintendent Werner Müller in sein Amt eingeführt. Dort blieb er insgesamt 28 Jahre. Sein Schwerpunkt war zunächst die Konfirmandenarbeit der gesamten Gemeinde. Später setzte er als Pfarrer am Tersteegenhaus Akzente, die heute noch nachwirken. Mit dem katholischen Kollegen Rochus Witton gelang eine enge ökumenische Zusammenarbeit, die über Köln-Sülz hinausstrahlte. Mitte der 80er Jahre gründete er dort den ersten Trauerkreis. Neben der Seelsorgearbeit mit Trauernden lag ihm auch die Arbeit mit älteren und behinderten Menschen sehr am Herzen.
1992 wurde Eckart Schubert Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte. „Zwei Themen sind untrennbar mit ihm als Superintendent verbunden: die Segnung homosexuell liebender Paare und der Einsatz für Flüchtlinge“ erinnert sich Susanne Beuth, Kollegin in der Gemeinde und Nachfolgerin im Superintendentenamt. 1994 erklärte Eckart Schubert in seinem Jahresbericht auf der Herbstsynode des Kirchenkreises, dass die Kirche gegenüber homosexuell liebenden Menschen Schuld auf sich geladen habe, „nicht nur durch Schweigen und Wegsehen, sondern auch durch falsches Reden und Handeln“. In diesem Jahr segnete der Kölner Südstadt-Pfarrer Hans Mörtter in der evangelischen Lutherkirche das erste schwule Paar. Dafür wiederum gab es einen harschen, dienstrechtlichen Verweis der Evangelischen Kirche im Rheinland – sowohl für Hans Mörtter als auch für den Superintendenten Eckart Schubert, der seiner Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sei.
Das hinderte Eckart Schubert aber nicht, sich weiter für die volle Akzeptanz homosexuell liebender Menschen in der Evangelischen Kirche einzusetzen. 1998 stellte der Evangelische Kirchenkreis Köln-Mitte unter seiner Leitung erstmals einen Antrag an die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland, eine Segenshandlung „gleichgeschlechtlicher Gemeinschaften“ zuzulassen. Zwei Jahre lang wurde beraten, andere Kirchenkreise schlossen sich dem Antrag an und im Jahr 2000 beschloss die Landessynode die „gottesdienstliche Begleitung gleichgeschlechtlicher Paare in verbindlicher Lebensgemeinschaft“. Dieser Beschluss war ein Meilenstein auf dem Weg zur kirchlichen Trauung in der Rheinischen Kirche, die seit dem Jahr 2016 möglich ist.
Mit dem Namen Eckart Schubert verbunden bleiben auch die Anfänge des Wanderkirchenasyls, bei dem kurdische Flüchtlinge, die von Abschiebung bedroht waren, Ende der 90er Jahre Zuflucht in Kirchengemeinden in Köln fanden. „Dabei erreichte er durch seine konziliante Art gepaart mit großer Hartnäckigkeit wichtige Absprachen mit Polizei, Verwaltung und Ausländerbehörde, die es den Gemeinden erleichterte, die Flüchtlinge zu beherbergen“, berichtet Superintendentin Susanne Beuth über das Wirken ihres Vorvorgängers.
Im Dezember 2000 trat Eckart Schubert als Superintendent des Kirchenkreises Köln-Mitte in den Ruhestand. Ende 2003 begann er seine ehrenamtliche Tätigkeit als Koordinator und Leiter der Evangelischen Eintrittsstelle im CityPavillon in der Antoniterkirche auf der Schildergasse. Der Aufbau und die Entwicklung der Kölner Eintrittsstelle war ein Erfolg. Mehr als tausend Menschen traten in dieser Zeit wieder in die evangelische Kirche ein. Bis ins Jahr 2017 leitete er im Ruhestand diese wichtige Arbeit.
Die Trauerfeier mit anschließender Bestattung für Eckart Schubert findet am 21. August um 13.30 Uhr in der Trauerhalle des Südfriedhofs in Köln statt.
Text: APK
Foto(s): Archiv
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