Ein „Mensch aus dem Leben“ – Lutz Zöllikofer wurde in der Lukaskirche zum Prädikanten ordiniert
Dass Lebenswege selten geradlinig verlaufen und Krisen den inneren Kompass neu justieren können, davon weiß Lutz Zöllikofer viel zu erzählen. Die Betreuung seiner mittlerweile verstorbenen Mutter und der Ausstieg aus seinem Beruf in der IT führten ihn zunächst in die Gemeinde – und schließlich in die Ausbildung zum Prädikanten.
Von der Gemeinde aufgefangen
„Die Gemeinde hat mich aufgefangen und mir ins Leben zurückgeholfen“, sagt er. Diese Erfahrung weiterzugeben, ist ihm ein Anliegen: „Ich möchte der Gemeinde vermitteln, dass da eine Quelle ist, aus der wir Kraft schöpfen können.“
Küster mit Herz und Humor
Seit vier Jahren ist Zöllikofer Küster in der Evangelischen Kirchengemeinde Brüggen/Erft und hat mit seinem Humor und seiner offenen, zugewandten Art viele Herzen gewonnen. Nach zwei Jahren intensiver theoretischer und praktischer Ausbildung wurde er nun in einem feierlichen Abendmahlsgottesdienst in der – für diesen Anlass beinahe zu kleinen – Lukaskirche zum Prädikanten ordiniert.
Ein besonderer Gottesdienst in der Lukaskirche
Pfarrerin Gesa Francke, die die Festgemeinde begrüßte, erklärte: „Wir ernten heute eine Frucht der Reformation.“ Schließlich machten die evangelische Lehre vom Priestertum aller Gläubigen und die Motivation zum Gebrauch der Gaben ein solch verantwortungsvolles Amt wie das einer Prädikantin oder eines Prädikanten erst theologisch denkbar.

Die Ordination nahm Synodalassessor Michael Miehe vor. Er erläuterte, dass ordinieren die Verpflichtung auf die Tradition und die Grundlagen des evangelischen Glaubens bedeute – insbesondere die Barmer Theologische Erklärung. Zugleich legte er ein persönliches Geständnis ab: „Als vor 20 Jahren das Amt des Prädikanten eingeführt wurde, war ich eher skeptisch.“ Heute aber schätze er es sehr, dass mit Lutz Zöllikofer ein „Mensch aus dem Leben“ in Seelsorge und Verkündigung tätig sei – das helfe auch, die „Gefahr der Bubble“ zu vermeiden.
Theologische Tiefe trifft Alltagsbeobachtung
Viele Gemeindeglieder nutzten die Gelegenheit, dem „Denker und Naturwissenschaftler“ ein persönliches Votum mit auf den Weg zu geben. Gesammelt wurde diese „geistliche Wegzehrung“ in Form von bunten Zetteln in einem verschließbaren Glas.
Für seine erste Predigt im neuen Amt hatte sich Zöllikofer Worte aus dem Lukasevangelium (Lukas 6,36) ausgesucht: „Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist.“ Dieser Vers erinnere an die „Goldene Regel“, die populäre Version von Kants kategorischem Imperativ: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“
Das sei eigentlich „Stoff für eine richtig heftige Moralpredigt“, aber er habe sich lieber gefragt: Was hätte Jesus wohl gepredigt? Orientierung biete da die Bergpredigt.
„Wie Gott mir, so ich dir!“

Zöllikofer fühlte sich an einen Satz aus seinem erklärten Lieblingsbuch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry erinnert: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Wie das im Alltag aussehen kann, schilderte er sehr anschaulich anhand seines allmorgendlichen „Zweikampfs“ mit einem schwarzen Sportwagen im Reißverschlussverfahren. Was mit Groll und Rachegedanken begann, endete mit einem freundlich-dankbaren Winken des Gegenübers. „Wir müssen raus aus den Handlungszwängen“, forderte Zöllikofer. Innehalten statt Gegenhalten. Der Predigttext lasse sich prägnant so zusammenfassen: „Wie Gott mir, so ich dir!“ – „Wenn wir die Schubladen schließen“, so Zöllikofer, „dann öffnet Gott neue Räume. Wir Christen können (nur) damit anfangen!“
Ein Neuanfang mit Freude auf Menschen
Worauf sich Lutz Zöllikofer in seinem neuen Amt besonders freut? Auf die Menschen – und auf das menschliche Miteinander. Da traf es sich gut, dass nach dem Gottesdienst noch bei einem Sektempfang im Gemeindehaus auf diesen besonderen Tag angestoßen wurde.
Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke
Der Beitrag Ein „Mensch aus dem Leben“ – Lutz Zöllikofer wurde in der Lukaskirche zum Prädikanten ordiniert erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.