Die Kircheneintrittsstelle der evangelischen Kirche in Köln und Region – eine 15jährige Erfolgsgeschichte

Mit dieser Erfolgsgeschichte konnte eigentlich niemand rechnen. Seit 15 Jahren existiert die Kircheneintrittsstelle an der Antoniterkirche. 3.289 Menschen sind seitdem in die evangelische Kirche ein- oder wieder eingetreten. Das wurde gefeiert mit einer Jubiläumsandacht am vergangenen Freitag in der Antoniterkirche. Anschließend traf man sich zu einem Empfang mit Suppe.

„Am ersten Advent 2003 hat die Kircheneintrittsstelle ihre Arbeit aufgenommen“, erzählt Marco Steckling. Der Diakon leitet seit September 2017 die Stelle und ist auch für die Koordination der 10-Minuten-Andachten und der Informationsstelle im Café Stanton zuständig. 2.600 Männer und Frauen, die eingetreten sind, sind zwischen 21 und 60 Jahre alt. Die anderen waren älter oder es waren Kinder, die von ihren Eltern angemeldet wurden. „Ein Drittel der ,Neuen‘ treten tatsächlich ein, nachdem sie zum Beispiel vorher aus der katholischen Kirche ausgetreten sind. Zwei Drittel treten wieder ein“, weiß Steckling. „Es gibt Leute, die nach dem Blick auf den ersten Gehaltszettel austreten“, ergänzt Markus Herzberg, Pfarrer an der Antoniterkirche. „Den jungen Leuten ist oft nicht bewusst, was für gute Arbeit die Kirche macht“, fährt er fort. Etliche fänden jedoch den Weg zurück. Etwa, weil sie kirchlich heiraten möchten oder Taufpaten werden.

„Manchmal kommen die Leute auch, weil sie eine gute Beerdigung oder eine gute Konfirmation erlebt haben. Wir müssen diese Amtshandlungen auch als Chance begreifen, Kirche in der Öffentlichkeit zu präsentieren“, sagt Herzberg. Es gibt aber auch ältere Menschen, die nach dem Berufsleben in der Kirche eine neue Heimat gefunden hätten, beispielsweise in einem Chor oder auch in der Melanchthon-Akademie. „Viele Homosexuelle treten in der Eintrittsstelle ein, weil sie das Angebot schätzen, das wir hier machen“, ergänzt Herzberg. Darunter seien auch viele gleichgeschlechtliche Paare.

„Niederschwellig“ nennt Steckling das Angebot der Kircheneintrittsstelle. Vielen Menschen sei der Schritt zum Pfarrer vor Ort zu groß, wenn sie sich für den Eintritt entschieden hätten. „Natürlich wartet bei uns keine Glaubensprüfung auf die Menschen, die eintreten möchten“, erklärt Steckling weiter. Die Taufe bleibe lebenslang gültig. Daran ändere auch ein Kirchenaustritt nichts. Aber auch wer eintreten möchte und nicht getauft ist, ist in der Eintrittsstelle richtig. Dort werden dann alle Fragen rund um die Taufe besprochen. Der Eintritt kostet nichts. Allerdings muss man wissen, dass die Mitglieder der Kirche Kirchensteuern zahlen. Die beträgt neun Prozent der Lohn- oder Einkommenssteuer. Wer Rentner, Auszubildender oder arbeitslos ist, zahlt keine Kirchensteuer.

Wenn man den Aufnahmeantrag in der Eintrittsstelle unterschrieben hat, wird das für den Eingetretenen zuständige Pfarramt informiert. Der oder die „Neue“ kann sich aber auch für eine andere Gemeinde entscheiden. Mitbringen sollte man seinen Personalausweis. Hilfreich ist auch eine Taufurkunde oder eine Bescheinigung über den Taufort und das Taufdatum sowie die Austrittsbescheinigung vom Amtsgericht.  Steckling nimmt mittlerweile auch Menschen „ambulant“ in der Kirche auf.  Auch auf dem Sterbebett ist schon jemand eingetreten, berichtet er.

Stecklings Vorgänger Eckart Schubert, ehemals Pfarrer in Klettenberg und Superintendent des Kirchenkreises Köln-Mitte, schaut auch hin und wieder mal vorbei. Schubert hat 2003 die Eintrittsstelle gegründet. Heute sind dort neun Leute beschäftigt, darunter einige Pfarrer im Ruhestand.

Die Eintrittsstelle in dem Gebäude hinter der Antoniterkirche, in dem auch das Café Stanton untergebracht ist, hat montags und dienstags von 16 Uhr bis 20 Uhr sowie mittwochs bis samstags von 12 Uhr bis 16 Uhr geöffnet. Pfarrer Herzberg verweist auf eine Änderung: „Etwa ab Mitte Februar wird das Gebäude abgerissen und macht Platz für einen repräsentativen Kirchplatz. Dann zieht die Eintrittsstelle in die Sakristei der Antoniterkirche. Die Öffnungszeiten bleiben die gleichen.“ Es muss sich allerdings niemand sorgen, er könne in Zukunft dem Trubel der Schildergasse nicht auf eine Tasse Kaffee entfliehen. Nach der Fertigstellung des Citykirchenzentrums, das bereits im Bau ist, wird es wieder eine Gastronomie geben.


Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann